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Oasenzeit

Zwischen Ochs und Eselein


Der Esel ist eines der berühmtesten Tiere der Bibel. Oftmals muss er gar nicht erwähnt werden, es ist klar, dass es ohne ihn nicht ging. Ohne ihn wäre das Volk Israel nicht weit gekommen, war der Esel doch das gängige Lasttier, bevor Pferd oder Kamel diese Rolle übernahmen.

Equus asinus asinus ist der wissenschaftliche Name des Hausesels und damit wird schon klar, dass es sich um einen Vertreter der Pferdefamilie handelt. Anders aber als beim Pferd sind seine Hufe einem trockenen Untergrund angepasst, ein Vorteil in seiner ostafrikanischen Heimat und auch in biblischen Regionen, aber ein Nachteil bei Nässe. Wesentliche Unterschiede zum Pferd bestehen im Verhalten. Pferde neigen bei Stress zur Flucht, Esel hingegen zum Innehalten. Zusätzlicher Stress, zum Beispiel durch Schläge oder Schreie, verstärkt diese Starre eher, woraus der Ruf des Esels als besonders stures oder dummes Tier resultiert. Dies ist jedoch falsch. Da Esel ursprünglich in schroffem Ödland und felsigem Gebirge leben, sind sie sehr aufmerksam und prüfen genau, wohin sie treten. Eselstuten sind oftmals alleine mit ihren Fohlen im Gebirge und eine sofortige Flucht ist deshalb nicht immer möglich, ohne das Fohlen zu gefährden. Sie bleiben dann wie angewurzelt stehen. Anders als beim Steppenbewohner Pferd – würde eine kopflose Flucht der Tiere im steilen oder steinigen Gelände zum sicheren Tod führen. 

Die Domestikation der Wildesel erfolgte vor mehr als 7.000 Jahren in Ostafrika, nach Südeuropa kamen Esel schon vor dem klassischen Altertum, und die Römer brachten sie über die Alpen in den Norden.

Ursprünglich wurden Esel auch als Reittiere und zum Ziehen von Wagen verwendet. Auch als sie später von den schnelleren und kräftigeren Pferden abgelöst wurden, hat man den Esel vor als Packtier weiter verwendete, wegen seiner Zähigkeit. Viel länger als ein Pferd kann ein Esel ohne Wasser und Nahrung auskommen. Außerdem sind sie im Gegensatz zum Pferd in steilen Bergen schwindelfrei. Nur mit einem Esel an der Spitze einer Karawane konnte man auch die oft steinigen Wüstenpassagen sicheren Schrittes durchqueren und dessen feines Witterungsvermögen für Wasser und Quellen optimal nutzen. So hatte der Esel für den Menschen schon immer ein wichtige Bedeutung. Und hat Einzug in die Bibel genommen: 152 mal wird er erwähnt und kommt gleich hinter dem Schaf, das 500mal vorkommt.

Sogar in den Zehn Geboten wird der Esel genannt: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat." Ebenfalls im zweiten Buch Mose wird zum ersten Mal erwähnt, dass alle männlichen Erstgeburten Gott geopfert werden müssen. Ausnahmen gibt es nur für Menschen - und Esel. Sie können, weil sie so wertvoll sind, durch das stellvertretende Opfern eines Schafes ausgelöst werden. 

Völlig selbstverständlich sind uns die weihnachtlichen Krippendarstellungen mit dem Jesuskind, Maria und Josef zur Seite und Ochs und Esel im Hintergrund. Aber in keiner der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichten werden die tierischen Begleiter erwähnt. Den Frühchristen aber waren Ochs und Esel wichtiger als Mutter Maria und Zimmermann Josef, die tatsächlich erst später als unverzichtbares Krippenpersonal hinzustießen. Die Tiere tauchen in den Apokryphen auf, christliche und jüdische Schriften, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden. Im so genannten Pseudo-Matthäus-Evangelium heißt es: «Sie legte den Knaben in eine Krippe, und ein Ochse und ein Esel beteten ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: „Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ (Jesaja 1,3). Eine Deutung besagt, dass die vermeintlich dummen Tiere im Gegensatz zu den Menschen ihren Herrn und den Ort ihrer Nahrung kennen. Der Grund, warum Ochs und Esel oft unter dem Weihnachtsbaum stehen, ist also viel älter als die Weihnachtgeschichte.

Auf dem Esel ist Jesus in Jerusalem eingezogen, demütiglich, das haben wir vorhin gesungen. 

Bei der Flucht der heiligen Familie vor Herodes sieht man auf vielen Darstellungen Maria mit dem Baby Jesus auf einem Esel reiten. Die schwangere Maria auf dem Weg zur Volkszählung nach Bethlehem hatte vermutlich auch einen Esel zur Unterstützung. Deshalb sehe ich ihn auch in unserem nächsten Lied als Begleiter Maria durch den Dornwald führen.


Text von Andrea Müller-Bischoff 
 

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