Oasenzeit
Gott, Du hilfst Menschen und Tieren
Gespräch als Ansprache für die Oasenzeit Okt. 2025
G.: Schön, dass wir heute die Gelegenheit haben, über den Schöpfungstag zu sprechen. Er ist ein wichtiges ökumenisches Zeichen, dass uns die Mitgeschöpfe und alles, was uns umgibt, am Herzen liegt.
T.: Diesmal geht es besonders um die Tiere, die oft gar nicht oder viel zu wenig im Blick von uns Menschen sind, egal ob es Nutztiere oder Wildtiere sind. Am besten haben es wohl noch die Haustiere wie Katzen, Hunde und Vögel, die ja oft als Familienmitglieder empfunden werden.
G.: Tatsächlich hat aber jedes Tier seine Bedeutung in Gottes Schöpfung, angefangen bei den Ameisen und allen Insekten bis zu den hoch entwickelten Tieren wie Löwen, Tiger, Bären, Affen und Wale. Manche Tiere gibt es ausschließlich an bestimmten Stellen auf der Erde, weil sie nur hier ihre benötigten Lebensbedingungen finden. Wo sich der Mensch immer mehr ausbreitet, oder nur seinen wirtschaftlichen Vorteil sucht, bleibt oft für diese Spezialisten kein Platz mehr. Die Folge ist das Aussterben bestimmter Tierarten, wodurch sich andere ungehemmt ausbreiten können und das seit langer Zeit bestehende Gefüge zerstören. Das ist besonders in den Meeren und im Regenwald zu beobachten und geht auf Dauer auch zulasten der Menschen.
T.: Tiere haben auch viel feinere Sinne als wir Menschen. Nicht umsonst spricht man von Adleraugen, die kilometerweit sehen können und von Spürhunden, denn die Hunde haben einen viel differenzierteren Geruchssinn als wir Menschen. Außerdem nehmen sie Gefahren viel eher wahr. So merken sie oft vor den Menschen, dass es brennt oder dass etwas nicht in Ordnung ist.
G.: Da fällt mir eine Geschichte aus der Bibel ein, in der auch ein Tier eine bessere Wahrnehmung hat als sein Besitzer. Sie ist nicht so bekannt wie Noahs Arche oder die Geburt Jesu mit Ochs und Esel im Stall. Aber sie zeigt, dass man Tiere ernst nehmen sollte. Sie handelt vom Seher Bileam und seinem Esel und steht im Buch Numeri oder vierten Buch Mose im Alten Testament.
T.: Worum geht es da?
G.: Es geht um den moabitischen König Balak, dem das Volk Israel zu mächtig geworden ist. Er sieht, dass Bileam als Seher mit Vollmacht sprechen kann und will ihn auf seine Seite ziehen, damit er das Volk Israel verfluche. Erst weigert sich Bileam, aber Balak bewegt ihn schließlich dazu, sich auf den Weg zu machen. Gemeinsam mit seinem Esel zieht er los. Auf seiner Reise stellt sich jedoch dreimal ein Engel Gottes in seinen Weg, um Bileam von seinem Vorhaben abzubringen. Aber nur sein Esel sieht den Engel und weicht ihm aus, um Bileam zu beschützen. Bileam wird wütend, weil er denkt, der Esel folge ihm nicht und schlägt ihn. Schließlich lässt Gott den Esel sprechen und es ergibt sich folgendes Gespräch zwischen dem Esel, Bileam und dem Engel:
Der Esel fragt, warum ihn Bileam schlägt, obwohl er ihm immer treu gedient hat.
T. = Bileam (sehr erstaunt): Du hast mich zum Narren gehalten!
G.= Engel: Der Esel hat dich beschützt, denn der Weg war gefährlich. Ich werde ihn nicht bestrafen, sondern eher dich, Bileam, denn Gott möchte nicht, dass du etwas Böses tust.
T. = Bileam (erschrocken): Es tut mir leid!
G.= Engel: Dann sag in Zukunft nur das, was Gott dir eingibt!
T. = Bileam: Ja, das will ich tun und ich werde das Volk Israel dreimal segnen, egal was Balak dazu sagt.
G.: So geschah es. Balak war natürlich wütend, aber Bileam und sein Esel zogen im Frieden wieder heim.
Die Geschichte zeigt uns, dass es sich lohnt, auf Gottes Wort zu hören und auch seine Zeichen wie das Ausweichen des Esels ernst zu nehmen. Denn Gott möchte das Heil für uns uns und alle seine Geschöpfe. Es lohnt sich aber auch, auf die Tiere zu achten und sie zu respektieren. Denn wenn es ihnen gut geht, hilft das auch uns Menschen. Auch Jesus ist damals auf einem Esel nach Jerusalem eingezogen. Damit zeigt er Demut anstelle von Machtfülle. Er möchte in unsere Herzen einziehen und dafür war ein Esel genau richtig. Mit dieser Demut und mit Respekt sollten auch wir mit den Tieren umgehen, egal ob es Spinnen, Schnecken oder größere Tiere sind, die wir nicht immer lieben. Sie alle haben einen Platz in Gottes Reich. Amen. Nun singen wir: Kein Tierlein ist auf Erden
Frage zur Interaktion: Was habe ich schon mal mit einem Tier erlebt?
Friede der Kreatur
Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare,
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken,
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen
Mit den ruhiger Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen
Halten sie sich still geborgen,
Lässt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.
Hätt ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd ich’s mutig lehren,
Spinnen mit den Händen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt’ es Friede halten
Als es mir gelang, dem Alten.
Gottfried Keller
(* 1819-07-19, † 1890-07-15)